Samstag, 15. Mai 2010

Neues aus der Vergangenheit

Ein paar Tage Urlaub in Südengland gaben mir die Gelegenheit, mich auch auf die Fährte des blauen Crayford Kombi /8 zu begeben. Mehr oder weniger in dem Moment, an dem ich durch Ringwood spazierte, erinnerte ich mich seiner: Die letzte Tax-Disc des Crayfords hatte ein Vorbesitzer 2000 im Post Office in Ringwood gekauft. Ringwood ist eine kleine alte Marktstadt im Westen des New Forest, mit den niedrigen Häuschen an der Hauptstraße und Tea Rooms und Pubs wie es sich gehört. Das Ringwood Post Office ist kein niedriges Häuschen und besonders hübsch ist es auch nicht, aber hier hat es sich abgespielt.



Einmal in der Gegend entschied ich mich, die Suche nach dem letzten Besitzer im Zulassungsdokument aufzunehmen, der nur wenige Kilometer weiter mitten im New Forest gewohnt hatte. Am Ende einer wunderhübschen Dorfstraße fand ich ein kleines Cottage und darin die Eltern von Simon England, überaus hilfsbereite nette Leute aber ihr Sohn wohnte nicht mehr dort. Sie erinnerten sich sehr wohl an den blauen Mercedes, der von 1997 bis 2000 ihrem Sohn gehört hatte. Er arbeite jetzt in Deutschland, erzählten sie mir, aber er wäre für das Wochenende nach England gekommen und besonders weit weg wohnen würde er auch nicht. Also gaben sie mir seine Adresse, ans Telefon ging er leider nicht. Ich fuhr trotzdem mal auf Verdacht hin.

Und so überfiel ich den letzten Besitzer des fahrbereiten blauen Crayford Kombi /8 am Samstagnachmittag in seinem Häuschen in Pennington. Den Überfall steckten er und seine Frau gut weg, ich traf ein freundliches Pärchen in den 40ern an. Die Überraschung war natürlich groß, und die Geschichten flossen rasch aus ihnen heraus.

Also so war das damals: Simon England hat den blauen Crayford Kombi /8 ganz profan über eine Kleinanzeige aus Salisbury gekauft, 1997 war das und 500 Pfund hat er investiert. Dabei spielte der Status als Oldtimer oder seltenes Fahrzeug überhaupt keine Rolle, obwohl damals schon 25 Jahre sollte der Crayford als Familientransporter dienen und als solcher wurde er eingesetzt. Den Zustand damals beschrieb Simon als so gut und die Technik als so zuverlässig, dass er seit diesem Zeitpunkt nur noch deutsche Autos fahren wollte - ein neuer Audi A4 Kombi in der Einfahrt unterstrich diese Entscheidung. Über den Zeitraum von drei Jahren (von 1997 bis 2000), in dem Simon den Crayford besaß, waren nur wenige Arbeiten notwendig, so zum Beispiel der Austausch einer Antriebswelle und des Lüftermotors, und die Erinnerung an die hervorragende Konstruktion des /8ers (und die schlechte Zugänglichkeit des Lüftermotors) waren in seinen Erzählungen noch sehr präsent. Schlussendlich wurde der Crayford /8 immer weniger benutzt, denn sein Besitzer arbeitete monatelang ausserhalb Englands, und der /8 bekam einen Stellplatz in einer Garage, wenngleich einer feuchten. Dennoch blieb er Simons einziges Fahrzeug. Nicht glücklich über die Folgen des Herumstehens hat Simon den /8 dann 2000 verkauft, wiederum ganz profan über eine Kleinanzeige. Kurz vorher war der /8 an der MOT gescheitert, nicht ernstes schien es gewesen zu sein, aber die Käufer holten ihn auf einem Transportanhänger ab und die Frau des neuen Besitzers soll sich augenblicklich in das Auto verliebt haben. Wie die Zulassungsdokumente erzählen haben sie ihn allerdings nie angemeldet, die Liebe muss ein Ende gefunden haben.

Dann gab es natürlich Geschichten aus dem drei Jahre währenden Leben mit dem Crayford /8, wie dem losen Handschuhfachdeckel, den ein mitfahrendes Kind vom Beifahrersitz aus mit seinen Füßen zuhielt. Grundsätzlich war der Crayford /8 aber in allerbester Erinnerung, "always ran great", "super-reliable diesel engine" und noch vieles mehr. Mein Bericht über seinen heutigen Zustand wurde dann auch kopfschüttelnd entgegengenommen. Wenngleich der /8 sicher auch 1997/2000 schon viele Blechreparaturen gesehen hatte, schien er damals aber noch ganz vorzeigbar gewesen zu sein. Die Besitzer nach Simon hatten ihn von 2000 bis 2002, haben ihn aber nie angemeldet und 2002 an Geoff verkauft. Den Todesstoß scheint der blaue Crayford /8 dann bei Geoff bekommen zu haben, während seiner fünfjährigen Standzeit ohne festem Dach über dem Kopf.

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Freitag, 3. April 2009

Eine Ausfahrt, soweit sie geht

Heute bekam der Crayford-/8 dann doch eine Batterie spendiert, glühte artig vor und sprang ziemlich gut an. Nun gut, wir hatten gut 20 Grad, der Frühling ist da, aber nett fand ich es von ihm doch. Da sich Besuch zur Crayford-Inspektion angekündigt hatte habe ich den Kombi mal aufgeräumt und ein wenig entstaubt und dann todesmutig auf eine kleine Ausfahrt gemacht. Das ist natürlich relativ gemeint, denn auf öffentliche Straßen werde ich mich mit diesem Fahrzeug vorerst nicht trauen - aber die Halle steht auf einem großen Privatgelände mit Einkaufsmärkten und Werkstätten und dort kann man zumindest ein paar Kunden verblüffen. Und was soll ich sagen?

Er fährt.









Er bremst auch, aber nicht lange, und bergauf tut sich das Maschinchen schwer, wer mag ihm das nach vielen Jahren der Ruhe verübeln? Doch so erlebe ich immerhin die längste gemeinsame Ausfahrt in der gemeinsamen Geschichte dieses merkwürdigen Fahrzeugs.

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Dienstag, 11. November 2008

Gordon antwortet

Gordon betreibt das zweite Crayford-Register in Australien. Ich hatte ihm vor ein paar Tagen eine eMail geschrieben. Heute schreibt er zurück:

Delighted to receive your e-mail! You have solved one Crayford mystery for me: where did this car end up (Bild von John Green in London 1999). Now I know - yee haa! I shall add it to my registry - in fact the first /8 to make it there. Congratulations. It may be a couple of days before I get to it, as I'm very busy with work right now, but nothing can keep me from my Benz obsession for long.


Und dieses hochinteressante Bild schickt er mir auch noch:



Gordon besitzt selber einen W116 Crayford-Umbau, aber hat auch ein Herz für den /8 auf seiner Internet-Seite "CRAYFORD-BENZ WORLD". Auch dort haben wir den Crayford Kombi /8 eingetragen.

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Samstag, 8. November 2008

Zufall???

Heute kam noch eine eMail, wieder auf meine kleine Notiz in der "Classic & Sports Car", und wieder aus Australien:

Hi, I just read about your car in Classic & Sports Car magazine, (I am in Australia, so I get it a few weeks late) and thought you might like to know there are two websites with registers for Crayford conversions on M-Bs. As there is some interest here, as well as in Europe in these cars it would be useful if you could send details to both. We do not have much info on the W114/115 conversions. Keep in touch and let us know how you get on with the restoration, photos of the car, and of progress would be appreciated


Eine der beiden Register von John Green kenne ich nun schon, aber das andere ist neu. Also gleich eine eMail an Gordon geschrieben.

Maybe I can contribute a little to your Crayford registry. About a year ago I bought a 1972 W115 220D Crayford Convertible in the south of Britain and trailered it to my workshop in Germany. My intention is to restore the car, but its condition is very bad and this will be a herculean task.


Mal sehen.

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Samstag, 27. September 2008

Zufall?

Heute kam eine eMail aus Australien, die sich auf die kleine Anzeige in der "Classic and Sports Car" vom 7. September bezog. Ich dachte erst, ich lese nicht richtig:

Hello Christian, I got your e-mail address from the English Classic Car magazine where I saw a picture of your Crayford 220D wagon. I have some information for you about this vehicle. I am from Australia, but was in England in 1999 and took a picture of this car in a shopping centre carpark! I have attached a copy.


Und dieses Bild hing an:



Das muss man sich mal vorstellen! Da verbringt John Green, ein australischer Mercedesfan und Betreiber der australischen Firma "MB Spares & Service", 1999 seinen Urlaub in England und photographiert in einem Londoner Parkhaus meinen Crayford /8. Neun Jahre später schreibt er mir eine eMail mit diesem Bild. Schlichtweg unglaublich.

John Green betreibt eines von zwei australischen Crayford-Registern, von denen ich auch noch nichts wusste. Also haben wir den Crayford Kombi /8 da mal gleich eingetragen. John schreibt dort:

Now here is a great story. This is a W115 220D Crayford wagon, the picture as taken by John Green (webmaster of this site) in a shopping center car park in London some time in 1999... We posted this picture on our registry asking for more details and if anyone knew about the current condition of the car. The next day our Service manager Chris Righton tell me he has seen a mention of it in an English Classic car magazine. We find it and there is an e-mail address of the current owner.

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Sonntag, 7. September 2008

Der Mantel der Geschichte

Die englische Oldtimerzeitschrift "Classic & Sports Car" war so freundlich, in ihrer Kolumne "Lost & Found" eine kleine Notiz über den Crayford Kombi /8 zu veröffentlichen. Vielleicht findet sich ja tatsächlich jemand, der das Fahrzeug noch aus Devon kennt.




Vielen Dank an Michael Ware und mal schauen, was passiert.

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Montag, 7. Juli 2008

Es ist Oktober 1974...

genauer der 16. Oktober 1974, und am Earls Court in London wird die diesjährige International Motor Exhibition eröffnet, die "Earls Court Motor Show". Austin präsentiert den Rolls-Royce des kleinen Mannes, und Lotus ist gleich mit zwei neuen Modellen vor Ort: dem Esprit und dem Eclat. Und noch ein britisches Unternehmen hat keinen ganz kleinen Stand gemietet:




Der Modellwechsel bei Mercedes ist auch bei Crayford angekommen, man stellt also umgebaute Zweitserien aus und lässt das Vinyldach auf Wunsch weg. Solche Fahrzeuge mit lackiertem Dach sind sehr selten dokumentiert, bislang ist erst ein weiteres Bild aufgetaucht. Leider wird dadurch die unglückliche Linie des Aufbaus noch deutlicher, die obere Kante des Seitenfensters führt die Linie der Türoberkanten schlicht nicht fort. Aber es gibt noch mehr zu entdecken: die breite Chromleiste unter dem seitlichen Heckfenster ist weggefallen. Dafür gibt es auf Wunsch Speichenräder, die einer Zweitserie einen altertümlichen Touch verleihen. Und mitten zwischen den /8ern hat es sich ein 116er bequem gemacht. Er weiß noch nicht, dass seine Überlebenschancen (denn es gibt heute noch eine Handvoll davon) erheblich höher sind als die seiner /8-Kollegen vom gleichen Stand.

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Freitag, 11. April 2008

Rubrik "nie gesehen"

Michael Rohde schreibt in einem älteren Beitrag in der Clubzeitschrift des VdH über Crayford-Umbauten:

"Mancher Besitzer hätte sicher einiges darum gegeben, einen der kultivierten Langkombis zu besitzen, wie sie in den verschwommenen Bildern dieser Seite zu sehen sind. Dass diese so überirdisch selten sind, liegt nicht nur an den Herstellern [...] Crayford, deren Normalkombis bereits in die Rubrik "nie gesehen" fallen."

Über diese Langkombis von Crayford gibt es beim VdH zwei Seiten zum Angucken:



Dort auch ein Bild einer "normalen" umgebauten /8-Erstserie mit dem englischen Kennzeichen XPM848J (also etwa 1970 angemeldet, eigentlich viel zu früh für die Crayford-Umbauten, die erst später begannen). Wir wollen ja nicht alle Copyright-Vorschriften auf einmal verletzen, deshalb hier die Links zum Draufklicken von der VdH-Seite:

Seite 1
Seite 2

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Freitag, 14. März 2008

Crayford Convertible Car Club

In England gibt für jedes Auto einen Oldtimerclub. Also gibt es auch einen Club für Crayford-Umbauten. Die Firma Crayford hat ja nur nebenbei Mercedes-Kombis gebaut, im Wesentlichen hat sie englische Fahrzeuge in interessante Cabrios umgewidmet. Auf meine Anfrage schickte mir Barry Priestman vom Crayford Convertible Car Club heute einen dicken Umschlag voller Informationen, darin zwei Clubmagazine und ein paar kopierte Seiten betreffend /8-Umbauten. Sehr hübsch daraus eine kurze Meldung aus der englischen Automobilzeitschrift "Autocar" vom 30. August 1973:



Zwei dunkel lackierte /8er mit Crayford-Umbau. Und noch ein Bild, gleich mit vieren davon:




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Montag, 28. Januar 2008

Aus der ersten Jugend

Bei Crayford wurden keine halb vormontierten Sonderaufbaukarossen zum Kombi umgebaut sondern neue, komplette und ganz normale /8-Limousinen. Also hatte der Crayford Kombi ein Vorleben als Limousine, wenn auch nicht lange. Zu diesem Vorleben gibt es selbstverständlich eine Akte im Archiv von Mercedes-Benz. Und die sieht so aus:



Bestellt irgendwann vermutlich 1971 bei einem Händler in Großbritannien, wer hätte das gedacht. Originalfarbe 920 blau mit Leder 268 rot, so ist er noch heute. Der Erstbesitzer meinte, folgende Extras an Bord haben zu müssen:


  • 40/1 - Einzelsitze

  • 41/1 - Schiebedach mechanisch

  • 42/7 - Servolenkung und mechanisches Getriebe, Mittelschaltung

  • 46/1 - Instrumente mit englischer Beschriftung

  • 55/0 - Anhänger-Vorrichtung

  • 57/0 - Armlehne vorn, klappbar

  • 62/2 - England-Ausführung

  • 63/0 - Gürtelreifen

  • 220 - Türkontakte Fondtüren



Viel ist es nicht, aber sinnvoll zusammengestellt und zum Glück ist das alles noch da (nun gut, bis auf die Originalreifen) und sogar die Anhängerkupplung ist original. Und hier steht auch das Auslieferungsdatum: 30. Oktober 1972. Also, wie bereits erwartet, eine waschechte Serie 1.5.

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Freitag, 25. Januar 2008

Tax and MOT

Die Engländer müssen mit ihren durchgerosteten Dünnblechfahrzeugen aus Longbridge jährlich zum TÜV, der bei ihnen MOT heißt. Das gilt dann im Sinne der Gruppenhaftung auch für Autos, die in anderen Ländern hergestellt wurden. Und so natürlich auch für den Crayford /8. Leider habe ich keine alten Prüfberichte aber kann mir gut vorstellen, dass der letzte englische Besitzer es lieber nicht mehr versucht hat.

Genau wie in Deutschland will der Staat dann aber auch noch Steuern haben, bevor das Auto auf die Straße darf. Diese Steuer entrichtet der Engländer beim Postamt und bekommt dafür eine "Tax disc", die ein Jahr gültig ist und in einem kleinen Halter hinter der Windschutzscheibe ausgestellt wird. Solange die Tax Disc gültig ist darf das Auto bewegt werden.

Im Crayford /8 fanden sich welche:



Wenn man den heutigen Zustand dieses Autos betrachtet war also entweder 2000 ein Wahnsinniger damit unterwegs oder das Auto ist im abgemeldeten Zustand sehr viel schlechter geworden. Ich tippe auf Ersteres. Da man in England in Fahrzeugen, die vor dem 1.1.1973 gebaut wurden, steuerfrei unterwegs ist hat da wohl jemand die preiswerte Beförderung ausgenutzt, bis ihn die MOT von seinem Crayford geschieden hat. Und diese Suppe werde ich nun auslöffeln.

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Samstag, 5. Januar 2008

Identitätskrise

Zum Schrauben ist es hier viel zu kalt, also wühle ich mich durch die Fahrzeugpapiere. Dabei ist auch ein Schreiben von Mercedes-Benz, in dem der Bautag des /8 benannt wird:



Das allerdings kann nicht stimmen. Von der Innenausstattung her handelt es sich zweifelsfrei um ein Fahrzeug nach der Modellpflege zur Serie 1.5 (die im April 1972 stattfand) und an den Sitzen mit integriertem Ruhesitzbeschlag lässt sich die Fertigung sogar auf Oktober 1972 oder später eingrenzen. Aus der Fahrgestellnummer und den Fertigungszahlen pro Baujahr berechnet sich der Produktionstag auf den 5. Oktober 1972, natürlich mit erheblicher Unsicherheit. Zuletzt spricht aber auch das Tabellenbuch, das die Farbcodes der Innenausstattung fahrgestellnummerngenau angibt, eine deutliche Sprache. Hier haben wir einen späten 1972er.

Die Datenkarte ist unterwegs...

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Mittwoch, 5. Dezember 2007

Erste Bestandsaufnahme

Zwei Tage später fühlte ich mich ausreichend erholt und es zog mich in die Halle, um das Auto nun einmal genauer anzuschauen. Zuerst galt es, alle die mitgegebenen Ersatzteile auszuladen. Das ist immer ein wenig wie Weihnachten. Was mag im Paket sein? Und dann eine Durchsicht der Technik und der Karosserie.

Technik

Nachdem die acht Ventile wieder Ventilspiel hatten lief der Motor auch gleich viel besser und fast ohne Rauch. In der Einspritzpumpe war irgendeine gelbliche Brühe, da kam wieder Öl rein. Unter dem Auto sieht es mit der Technik recht ordentlich aus: Getriebe und Differential sind vorhanden und nur wenig undicht, die Bremsleitungen sind OK. Das Auto startet, fährt, bremst, schaltet und blinkt aus eigener Kraft. Soweit so gut.

Innenraum

Feucht. Die Bodenteppiche fehlen, im Gepäckraum sind rote Teppiche verbaut über deren Herkunft ich noch nicht mehr sagen kann. Die meisten Crayford-Teile sind da (Abdeckungen der Stoßdämpferbefestigungen, Innenverkleidung der Heckklappe, Heckklappendämpfer, Verkleidungen an den Fenstern im Laderaum) und die klappbare Rückbank ist funktionsfähig und komplett. Leider ist das rote Leder der Vordersitze stark beschädigt, hinten geht es. Leichtem Schimmel bin ich durch Reinigung und Auftragen von verdünnter Essigessenz beigekommen. Der durchgehende Himmel ist unbeschädigt, das Armaturenbrett. Die Türverkleidungen sind in Ordnung, lediglich die Türtaschen sind gerissen. Das schwarze Bakelitlenkrad ist tadellos und generell fehlt nur wenig Kleinkram. Die Details des Umbaus sind spannend zu entdecken, subtil sind sie nicht immer (zum Beispiel die überaus massive Verriegelung der klappbaren Rücksitzlehne).

Karosserie

Nun ja. Der erste Eindruck von außen ist ja ziemlich schlecht, und im unteren Heckbereich (Radläufe innen und außen, Ersatzradmulde, Kofferraumseitentaschen) war auch kein gesundes Blech mehr zu finden - statt dessen zwei, drei oder vier Lagen Blechreste oder Blechstreifen übereinander, mit Abdichtmasse verschmiert. Die oberste Blechlage konnte ich teilweise mit dem Staubsauger absaugen. Die Schäden sind hier durch vergebliche Reparaturversuche entstanden.

Beide vordere Fußräume sind schlecht und vielfach durchgerostet, rechts (Fahrerseite) noch original durchlöchert, links schon wieder zusammengeschwartet. Auch das muss wieder raus. Die hinteren Fußräume wurden bereits schlecht repariert. Die Türen sind durch, die Heckklappe ist bis auf die verhärtete Scheibendichtung intakt und auch die Seitenscheiben des Umbaus sind soweit in Ordnung. Dafür ist das Dach unter dem Vinylbezug an zwei Stellen stark ver- oder durchgerostet.

Der Vorderbau ist an den Stehblechen wie üblich angegriffen, die vorderen Schwellerenden sind massiv durch und das Auto hat überhaupt nur noch eine Wagenheberaufnahme. Die Verstärkungen vor den A-Säulen haben unten keine Verbindung mehr zum Schweller, sind aber noch einlagig. Die Kotflügel hatte Geoff schon ersetzt, sie sind gebraucht aber scheinbar original und im Wesentlichen sehr gut.

Inmitten dieses Blechchaos, von Vandalen mit locker sitzenden Schweißgeräten angerichtet, finden sich Bereiche des allerfeinsten, rostfreien Originalzustands. Das Lenkhebelzwischenlager (hier natürlich links angeordnet) ist vollkommen intakt und strahlt mit dem Längsträger unter etwas losem Dreck in blauer Wagenfarbe. Hier war offensichtlich noch niemand dran.

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Sonntag, 2. Dezember 2007

Wir fahren nach England - und wieder zurück

Zum Frühstück erwarten uns Geoff und seine Frau mit zwei wunderbaren Full English Breakfast und zwei großen Bechern Tee, wie ihn nur die Engländer machen können. Noch einmal können wir diesen urenglischen Country Pub in Augenschein nehmen, dann geht es raus und wir zerren den /8 auf unserem Anhänger aus der Einfahrt, um ihn sorgfältig zu verzurren. Und jetzt zeigt uns England, was es kann. In dem Moment, in dem ich den ersten Spanngurt in die Hand nehme, kommt ein wunderbarer Winterregen herunter. Dazu scheint die Sonne, aber ich werde trotzdem so richtig nass. Spanngurte sind nun mal widerspenstig, da hilft Regen auch nicht. Nach ein paar Minuten bin ich fertig - in doppeltem Sinne, aufmerksam beäugt von freundlichen Engländern, und als ich mich ins Trockene retten kann, hört auch der Regen auf. Geoffs Pub ist übrigens das Haus am rechten Bildrand hinter der Bushaltestelle.



Also eine Art freundlicher Gruß von oben. Oder ein Abschiedsgeschenk. So kommen Geoff und seine Frau Libby noch kurz dazu und wir machen ein Abschiedsbild oder zwei.





Und dann kann es losgehen. Auf der Hinfahrt haben wir 5 1/2 Stunden von Dover gebraucht, und wir müssen um 17 Uhr da sein. Also wird es leider Zeit, sich zu verabschieden. Wir versprechen, mit dem restaurierten Crayford bald vorbeizuschauen. Ein Blick noch, er ist da...



und los gehts durch Südwestengland. Das Steuer halte heute ich in der Hand und Felix photographiert. Bei Tageslicht sieht es hier doch gleich viel freundlicher aus und auch die Sonne kommt ein wenig durch. Eine Umleitung führt uns an diesmal um Stonehenge herum, dafür erreichen wir schon bald eine Autobahn und gleiten ganz angenehm an London vorbei bis nach Dover in den Hafen.


















Bei so einem großen Auto mit so einem großen Anhänger möchte der Zoll doch einmal genauer draufschauen und wir werden in die Zollhalle geleitet. Dort empfängt uns eine freundliche Zöllnerin mit den Worten "You are taking some work home with you, are'nt you?", wirft einen kurzen Blick in den Kofferaum und schon geht es weiter. Doch die Fähre ist leider sehr verspätet, denn mittlerweile ist es richtig windig. So stehen wir in der Warteschlange vor den dunklen weißen Felsen von Dover und das Auto wird vom Wind hin- und hergeschüttelt. Draußen weht es eine Katze weg, es ist wirklich windig. Die für 18 Uhr gebuchte Fähre kommt schließlich gegen 20 Uhr, in der Zwischenzeit konnte ich etwas entspannen. Auf dem LKW-Deck heißt uns der Einweiser mit den Worten "Mildly patinated, isn't it?" ähnlich freundlich willkommen wie unsere Zöllnerin.





Für das Geschüttel und Gewirbel in Dover ist es an Bord dann erstaunlich ruhig. Auf den Seitengängen taumelt man ein wenig, doch vorne im Bug ist alles ruhig. Ein recht gutes Lammcurry beruhigt auch unsere Mägen und dann wird die Überfahrt zur Entspannung benutzt. Sehr bald sieht man die französische Küste, gegen 23 Uhr sind wir da. Als erste dürfen wir von Bord fahren, und der Crayford ist wieder auf dem Kontinent, auch wenn er das mangels Scheinwerfern nicht selber sehen kann. Aber er fühlt es.

Den Tempomat kann ich auf 100 km/h einrasten und dann beginnt die letzte Etappe: 400 Kilometer von Dünkirchen nach Essen. Die Musik wird langsam lauter gedreht, aber die Augen bleiben offen, es geht ganz gut.



Gegen 3 Uhr sind wir in Essen und fahren das Auto aus eigener Kraft vom Anhänger auf meine Hebebühne. Da steht er nun und darf entspannen. Wir hingegen müssen noch den Anhänger und das Zugfahrzeug wegbringen und Felix darf noch mehr als zwei Stunden im Stau stehen, bis jeder von uns Dreien schließlich ermattet aber zufrieden zur Ruhe liegt.



Das war anstrengend aber spannend. The Crayford has landed.

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Samstag, 1. Dezember 2007

Wir fahren nach England - nun aber richtig!

Also setzen sich am frühen Samstagmorgen zwei Spinner in Düsseldorf mit einem feinen Renault Grande Espace Diesel mit 173 PS von EuropCar und einem ziemlich großen Doppelachs-Autotransportanhänger in Richtung Dünkirchen in Bewegung, um einen Crayford aus seiner Heimat zu entführen. Der Mietwagen zieht das Gespann, als ob der Hänger überhaupt nicht vorhanden wäre. So vergehen die vier Stunden Fahrt durch Deutschland, die Niederlande, Belgien und ein Stück Frankreich wie von selbst. In Belgien darf man mit Anhänger 120 km/h fahren, in Frankreich sogar 130. Dazu scheint die Sonne. Ein guter Start.



So sind wir fast zwei Stunden zu früh im Hafen in Dünkirchen und man lotst uns in letzter Sekunde auf eine frühere Fähre. Von der befürchteten Orientierungslosigkeit im Hafen keine Spur, alles ist leicht zu finden, gut und sicher ausgeschildert, idiotensicher (wichtig für mich) und mit freundlichem Personal besetzt. Man weiß ja nie so richtig vorher, was kommt, das macht die Reise spannend. Der Zoll interessiert sich für den großen Kofferraum des Renaults, aber wir sind wirklich nur zu Zweit. Die Fähre der Norfolk-Linie ist modern und ordentlich, das Auto nimmt im LKW-Deck platz und wir lassen uns bei der Ausfahrt aus Dünkirchen mal so richtig durchpusten, immer noch wunderbares Wetter, ein Traum!







Also sind wir nach schön schaukeliger Überfahrt schon um 13 Uhr Ortszeit in Dover und nun übernimmt Felix die Steuerung des Gespanns. Er fährt links, als hätte er nie etwas Anderes gemacht. England empfängt uns freundlich und auch ein wenig sonnig, also geht es von der Fährenladung LKW mitgezogen ganz einfach über die Autobahn in Richtung London, über den südlichen Autobahnring an London entlang (ganz ohne Staus) und dann westwärts. Trotz der frühen Stunde dunkelt es schon leicht, wir haben noch 200 Kilometer vor uns.



Nach ein paar Dutzend Kilometern ist nun die Autobahn zu Ende und mündet in die Landstraße, die Südwestengland an die Hauptstadt anbindet. Aber auch hier: keine Staus, alles flüssig. Bei Stonehenge biegen wir kurz ab, dann geht es weiter nach Exeter und dann noch ein paar Kilometer ins Land. Inzwischen werden die Straßen wirklich eng, doch die Engländer fahren verständnisvoll und Felix kurvt sicher. Die letzten Kilometer habe ich eine Wegbeschreibung unseres Gastgebers und so finden wir unser Ziel auch leicht: das "Anchor Inn", eine uralte Dorfkneipe. Bei leichtem Nieselregen, nun schon ganz im Dunkeln, stellen wir unser Gespann davor ab, steigen aus und erstes läuft mir ein roter Kater über den Weg. In der Einfahrt wartet schon ein unter Planen eingepacktes Auto, doch die Front schaut heraus: es ist ein /8!

Drinnen sitzt das Dorf beim Pint, und Geoff, der Wirt und Verkäufer des /8, erwartet uns bereits. Er ist irgendwann in den 60ern hängengeblieben, und die ganze Kneipe ist sein Museum. Also rein, das erste Pint und das zweite, dazu gleich Geschichten vom /8 und freundliches Kopfschütteln der anderen Gäste: aus Deutschland? Für ein Auto? Wirklich? Nun ja, genau. Das Auto fahren wir dann auch schnell aus eigener Kraft auf den Hänger, ein gutes Zeichen, parken das Zugfahrzeug in der Einfahrt davor und kehren für den geselligen Teil in die Kneipe zurück. Mittlerweile ist Prominenz eingetroffen, denn Geoff war so freundlich, Ken kurz anzurufen. Ken ist ein älterer Engländer mit schlohweissen Haaren und ebensolchem Vollbart.

Und Ken kennt den Crayford /8, denn er hat ihn vor mehr als 20 Jahren selber besessen. Er hat Photoalben dabei, voller Mercedesse, aber ein Bild vom Crayford ist nicht dabei. Nun, das findet er auch noch, da ist er sich sicher. So folgen Geschichten über Geschichten aus alten Zeiten, und nach einem leckeren Curry geht es noch den ganzen Abend so weiter. Geoff beherbergt uns für die Nacht, und während unten die Gäste weiterfeiern schlummern wir irgendwann oben der Heimfahrt mit dem neuen /8 entgegen.

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Dienstag, 13. November 2007

Ich konnte nicht anders

"Kaufe niemals ein Auto, das Du nicht genau angesehen hast. Kaufe niemals einen /8, durch den Du nicht wenigstens eine Stunde lang durchgekrochen bist. Kaufe niemals bei eBay ein Auto, das Du nicht genau angesehen und durch das Du nicht wenigstens eine Stunde lang durchgekrochen bist." Diese Ratschläge sind wahr. Sie gelten ganz besonders dann, wenn Du einen /8 kaufen willst, den Du nicht ansehen kannst, durch den Du nicht durchkriechen kannst und der bei eBay angeboten wird. Bei eBay in England, genauer gesagt, und da ausgerechnet in Devon, ganz unten links. Dort wo man Autos noch fährt bis sie auseinanderfallen.

Nun, eBay ist Schuld. Ich konnte nicht anders. Ein super-super-seltener englischer /8-Kombiumbau von Crayford in blau mit rotem Leder. Die Beschreibung bei eBay war erfrischend ehrlich und ließ nichts Gutes hoffen, aber das war alles egal:


This is a very rare Crayford Estate conversion on a 220D W115 saloon chassis. So far I have only heard of one other in existence (in this country) as Crayfords did not keep records of these conversions and no others are known of by the Mercedes Benz Owners Association. It is a 1973 registration as it was new in '72 and then sent to Crayfords. I have a fax from the archive in Stuttgart and a letter from the Merc dealers in Southampton to prove the age so when it goes back on the road it is eligible for Historic Vehicle status.

It is an unfinished project which the wife lumbered me with several years ago and I will never get round to finishing it. I have done some welding and have new rear lower panels for it, there is also a pile of other bits mainly trim parts and an extra set of wheels and tyres. It has the optional leather interior but the front seats need recovering. The engine/box running gear is all ok but the battery is shot but it will run.

Please Note it does need full restoration but should be worth a few quid done up for the rarity value alone.


Und so sahen die Bilder dazu dann aus:










Er strahlte, obgleich man über die Linienführung des Aufbaus durchaus geteilter Meinung sein darf, noch durchs Internet den Geschmack und den Stil aus, den nur ein /8 hat. Gekauft. Don't do as I do, do as I say.

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